Frag den Winzer!

Etwas fürs Auge in Guldental

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Warum man an der Nahe am besten einen Winzer fragt, wo man essen soll, und welche Restaurants mich auf meinen Streifzügen für das Buch begeistert haben.

In meinem letzten Beitrag habe ich von jenem Samstag im Hof des Weinguts Jakob Schneider (@weingutjakobschneider) erzählt. Von zwei Stunden Wartezeit bis zur Jahrgangspräsentation, von einer beiläufigen Frage nach einem Restaurant und von einer Antwort, die mir einen meiner schönsten Mittage an der Nahe beschert hat.

Seitdem halte ich es so.

Wenn ich wissen möchte, wo man gut isst, frage ich keinen Restaurantführer. Ich frage einen Winzer.

Winzer wissen nämlich ziemlich genau, wo ihre Weine mit Sorgfalt ausgeschenkt werden. Wo jemand am Herd steht, der weiß, was ein schlanker Riesling oder ein feiner Weißburgunder auf dem Teller braucht. Und wo man an einem freien Abend selbst gerne einkehrt.

Als ich für mein Buch Weinorte an der Nahe unterwegs war, habe ich diese Frage oft gestellt. Die Antworten führten mich in Sternerestaurants und Gutsausschänke, in einen alten Gasthof mit japanischer Küche, in eine ehemalige Kapelle, in ein Wohngebiet und auf eine Dachterrasse.

Eines hatten all diese Orte gemeinsam.

Auf ihren Weinkarten stand die Nahe.

Wo sich die Nahe versammelt

Beginnen muss ich natürlich dort, wo alles anfing: in der Hermannshöhle (@hermannshoehlerestaurant) in Niederhausen.

Wigbert Weck kocht hier seit vielen Jahren, mit Ruhe, Neugier und einer bemerkenswerten Beständigkeit. Seine Küche bewegt sich geerdet zwischen der Region und Mitteleuropa. Im Frühling duftet es nach Spargel, im Herbst kommt Rehrücken aus den umliegenden Wäldern auf den Teller. Dazwischen immer wieder kleine Ideen, mit denen man nicht gerechnet hätte.

Mittags wie abends kann man ein Menü wählen oder sich sein Essen à la carte zusammenstellen. Wer vegetarisch isst oder auf etwas verzichten muss, wird ernst genommen. Das ist keine Selbstverständlichkeit.

Mitten im Raum steht ein großer gläserner Weinraum. Man kann direkt davor auswählen oder sich in eine Karte vertiefen, die sich liest wie ein Streifzug durch die Nahe, mit dem einen oder anderen besonderen Jahrgang. Und mit Julia Fluhr an der Seite ist man ohnehin in den besten Händen.

Besonders lebendig wird es bei den Winzerstammtischen. Man tritt ein, bekommt ein Glas Sekt in die Hand und gehört sofort dazu. Zwei Winzer aus der Region begleiten jeden Gang mit ihren Weinen und erzählen von Böden, Jahrgängen und Entscheidungen im Keller. Man hört zu, fragt nach, kommt mit dem Tischnachbarn ins Gespräch.

Im Sommer sitzt man auf der Terrasse, den Nahestausee vor Augen.

Mehr muss ich dazu eigentlich nicht sagen.

Ein Stern im Geheimtipp

Meisenheim habe ich in meinem letzten Beitrag schon erwähnt. Ich bin in der Gegend aufgewachsen, und als Jugendlicher zog es mich am Wochenende in die Diskothek dorthin. Heute fahre ich aus ganz anderen Gründen hin.

Die kleine mittelalterliche Stadt am Glan wirkt wie aus der Zeit gefallen. Von Kriegen verschont, liegt sie abseits der großen touristischen Routen. Fachwerk, Kopfsteinpflaster, stille Gassen. Selbst unter Weinreisenden gilt sie noch als Geheimtipp.

Und doch findet sich hier eine der spannendsten Genussadressen im Südwesten: der Meisenheimer Hof.

Für mich musste ihn niemand empfehlen. Ich komme aus der Gegend, ich kannte das Haus natürlich. Für mein Buch war es sozusagen gesetzt. Und auch Sommelier Andreas Held war mir kein Unbekannter, denn meine Freunde Sibylle und Bernhard kannten ihn von verschiedenen Events.

Dann geschah etwas, mit dem ich während meiner Recherchen nicht gerechnet hatte.

Der Meisenheimer Hof bekam einen Michelinstern.

Ein Stern in Meisenheim. In dem Städtchen, in das ich als Jugendlicher zum Tanzen gefahren bin. Da wollte ich es genauer wissen und fragte Markus Pape, ob wir kurz miteinander reden könnten.

Wir konnten.

Seit 2013 steht er in der Küche des Meisenheimer Hofs. Gelernt hat er in hoch dekorierten Häusern. In Meisenheim verbindet er dieses Können mit der Region. Seine Küche ist aromatisch, präzise und geprägt von Produkten aus der Umgebung.

Aus dem kurzen Gespräch ist inzwischen etwas geworden, das ich sehr mag: Wenn wir uns heute in Meisenheim über den Weg laufen, grüßen wir uns auf der Straße. Ein Sternekoch und ein Weinbuchautor, die sich zwischen Fachwerkhäusern zunicken.

Das ist einfach nett.

Und es ist vielleicht das Schönste an der Nahe. Hier bleibt man nicht lange Gast.

Mindestens ebenso beeindruckend wie die Küche ist die Weinkarte. Sie gehört zu den umfangreichsten im Südwesten. Große Gewächse von der Nahe stehen neben Bordeaux-Flaschen mit erstaunlicher Jahrgangstiefe. Andreas Held kennt sie alle, und er berät mit Fachwissen und mit Humor. Eine Kombination, die ich sehr schätze.

Inzwischen ist das Sternerestaurant in neue Räumlichkeiten umgezogen. Ein weiterer Grund, bald wieder nach Meisenheim zu fahren.

Dass all das in diesem kleinen Städtchen entstehen konnte, ist auch dem Meisenheimer Christian Held zu verdanken, der seit den 1990er-Jahren in seine Heimat investiert: erst in das Weingut Disibodenberg, dann in den historischen Gasthof, der seit über 300 Jahren Gäste empfängt.

Wer es danach etwas leiser mag, setzt sich in die Genussecke von Heike Hartmann am Untertor, wo der Mühlgraben am alten Mühlrad vorbeiplätschert. Oder man bucht beim Hotelweingut Barth die „bekochte Weinprobe“ und muss nach dem letzten Glas nur noch die Treppe hinauf ins Zimmer.

Japan in Meddersheim

Manche Restaurants überraschen einen. Und dann gibt es die Traube in Meddersheim.

Ehrlich gesagt hatte ich sie schon im Internet entdeckt. Neugierig war ich also längst. Doch als ich Heiko Bamberger vom Sektgut Bamberger fragte, wo ich denn zum Essen hingehen solle, musste er nicht überlegen. Die Traube. Natürlich.

Damit war die Sache entschieden.

Schon die Reservierung ist anders. Man meldet sich ein paar Tage vorher an und wird nicht selten nach seinen Wünschen gefragt. Dann die Speisekarte: auf Deutsch und in Kanji geschrieben.

Japanisch an der Nahe.

Ich gebe zu, da werde ich hellhörig. Die japanische Küche kenne ich sehr gut, sie gehört zu meiner eigenen Vergangenheit. Entsprechend hoch lag die Messlatte.

Sie wurde nicht nur übersprungen.

Küchenchef Hideyuki Aoki stammt aus Tokio und hat sein Handwerk in der dortigen Dependance von Joël Robuchon gelernt. In Deidesheim begegnete er Ayami Miyanaga, die ebenfalls aus Japan kommt und sich ganz dem deutschen Wein verschrieben hat. Ein Verwandter erzählte ihnen schließlich von einem Gasthaus in Meddersheim, das zu pachten war.

So kamen die beiden an die Nahe. Direkt gegenüber vom Weingut Hexamer.

Die Küche ist klassisch französisch grundiert und doch in jedem Gericht japanisch geprägt, durch überraschende Zutaten und die Art der Zubereitung. Kleine Kunstwerke auf dem Teller. Und rundherum spürt man noch immer den Charme der alten Traube mit ihren klassischen Gasthausmöbeln.

Ayami Miyanaga begleitet den Abend mit großer Herzlichkeit. Im Glas: Burgunder von Hexamer gegenüber, die feinperligen Sekte der Bambergers aus dem Ort und viele weitere Entdeckungen von der Nahe. Sie findet stets den Wein, der einen Gang perfekt ergänzt.

Für mich ist die Traube eine der ganz großen Überraschungen an der Nahe. Ein Restaurant, das richtig klasse ist.

Und eines, das Hochachtung verdient.

Ein Menü, eine Reise

Im Kaiserhof in Guldental gibt es keine Karte, auf der man lange hin und her überlegt. Serviert wird ein Sechsgängemenü. Alle Gäste beginnen gemeinsam, alle begeben sich auf dieselbe Reise.

Man könnte das als Einschränkung verstehen.

Ich empfinde es als Geschenk.

Ausprobiert habe ich den Kaiserhof gleich in bester Gesellschaft: zusammen mit einem Winzer. Mac, mit vollem Namen James Mac Tolmie, stammt aus Neuseeland und macht heute in Oberhausen beim Weingut Lilac Wein und einen bemerkenswerten Cider nach traditioneller Flaschengärung.

Man betritt den Gastraum durch die offene Küche, steht mit dem Aperitif mitten im Geschehen und kommt mit den Köchen ins Gespräch. Dann lässt man sich ein. Ein Saiblingsröllchen mit Sauerampfer und Couscous mit frischer Minze, japanisch inspirierte Dumplings mit heimischem Wildschwein. Jeder Gang macht neugierig auf den nächsten.

Dazu gab es Burgunder aus dem nahen Windesheim, starke Rieslinge von der Nahe und Raritäten von jungen Namen. Und zu jedem Glas hatte Mac etwas zu erzählen. Er hat mir an diesem Abend unendlich viel über Wein erklärt.

Eine Weinprobe mit sechs Gängen, könnte man sagen.

Zum Schluss haben wir die Rechnung ganz unromantisch per PayPal geteilt. Auch das gehört dazu, wenn aus einem Arbeitsbesuch ein Abend unter Weinfreunden wird.

Große Küche zu einem angenehm fairen Preis. Und wer von einem solchen Abend nur ungern aufbricht, bleibt einfach über Nacht.

Zwei Abende in Bad Kreuznach

Wer in Bad Kreuznach wissen möchte, wo man gut isst, ist in der Nahe-Vinothek an der richtigen Adresse. Dort laufen die Weine der ganzen Region zusammen und mit ihnen das Wissen darüber, wo sie gut ausgeschenkt werden. Jan schickte mich ohne Zögern ins Gütchen.

Im Restaurant Im Gütchen arbeiten Jan Treutle und Elisabeth Stenger-Treutle seit vielen Jahren mit Ruhe, Erfahrung und echter Hingabe.

Der Raum reicht über zwei Etagen und verleiht dem Abend eine schöne Weite. Man wählt regional, saisonal oder vegetarisch, höchstens vier Gänge. Man kann sich aber auch bewusst beschränken: eine Vorspeise, ein Hauptgang, später ein Stück Käse. Fast alles ist möglich.

Schon das Lesen der Weinkarte ist eine kleine Reise entlang der Nahe. Elisabeth Stenger-Treutle hat sie über die Jahre wachsen lassen, Wein für Wein, immer dann, wenn sie etwas überzeugt hat. Man spürt eine besondere Zuneigung zu den Burgundern aus Windesheim, von den Gebrüdern Kauer, von Sinß oder vom Lindenhof. Wer Riesling liebt, greift zu Jakob Schneider, Schäfer-Fröhlich oder Dönnhoff.

An schönen Sommerabenden kann man nebenan im Garten Puricelli ein Glas mit kleinen Gerichten genießen.

Das Mühlentor mitten in der Stadt hat mir Victoria Krings vom Weingut Marx in Windesheim ans Herz gelegt. Inzwischen war ich einige Male dort. Und wenn ich beschreiben soll, was das Mühlentor für mich ist, fällt mir vor allem ein Wort ein: eine richtig gute Anlaufstelle.

Ein Ort, an dem man weiß, was man bekommt. Und an dem genau das jedes Mal stimmt.

Man isst hier ohne jede Förmlichkeit, auf Wunsch schon mittags. Rouladen, zarte Schweinebäckchen, Steaks, Fisch und ganz selbstverständlich auch Vegetarisches. Eine Küche, die Bodenhaftung mit Finesse verbindet.

Die Weinkarte hält mehr bereit als das Übliche: Raritäten von Caroline Diel, Weine von Frank Schönleber und Jakob Schneider, Burgunder von Marx und Lindenhof aus Windesheim, und ein ganzes Sauvignon-Blanc-Programm von Harald Kilz.

Und dann ist da noch die Skylounge.

An einem milden Sommerabend oben zu sitzen, ein Glas in der Hand, und zuzusehen, wie die Stadt langsam ins Abendlicht gleitet, hat seinen eigenen Zauber. Die berühmten Brückenhäuser stehen gleich um die Ecke, und wer gar nicht mehr aufbrechen mag, nimmt sich einfach ein Zimmer im Haus.

Wein in der Kapelle

Manchmal hört man von einem Restaurant gleich zweimal hintereinander. Dann sollte man aufmerksam werden.

Zum ersten Mal begegnete mir der Name bei einer Schlossschänke von Caroline Diel im Schlossgut Diel (@schlossgut_diel). Anne, die auf Gut Hermannsberg arbeitet, erzählte mir dort mit leuchtenden Augen vom Cesar & Morian in Bad Sobernheim. Nur wenige Tage später, bei einem ganz anderen Gespräch, schwärmte Markus Kauer von den Gebrüdern Kauer aus Windesheim davon.

Zwei Empfehlungen, unabhängig voneinander. Mehr Überzeugungsarbeit braucht es nicht.

Schon die Geschichte des Hauses ist eine, wie man sie an der Nahe liebt. Zwei Kaufleute, Cesar und Morian, nutzten die längst profanierte Disibodenberger Kapelle nach der Französischen Revolution als Lagerraum. Jahrhunderte später trägt der Ort ihren Namen. Heute ist er fein renoviert, und im Herbst 2025 haben Philipp und Petra Helzle ihn mit neuem Leben gefüllt.

Helzles Cesar & Morian bringt Erfahrung aus der Spitzengastronomie, auch mit Stern, in den westlichen Teil des Anbaugebiets. Die Küche ist saisonal, regional geprägt und zugleich modern. Ein fein geschnittenes Tatar, ein saftiger Lachs auf Zitronenrisotto, ein klassisches Coq au Vin, ein perfekt gegarter Hirschrücken.

Mittags trifft man hier auf Winzer aus der Region, die ihre Pause ganz bewusst in der Kapelle verbringen. Das Business Lunch ist von erstaunlicher Qualität und ausgesprochen fair kalkuliert.

Wenn Winzer in ihrer Mittagspause irgendwo hingehen, ist das wohl die ehrlichste Empfehlung, die es gibt.

Sommelier Jonas Berg hat die Karte mit vielen starken Positionen von der Nahe bestückt. Rund zehn Weine gibt es offen, doch man fragt besser nach. Dank Coravin kann es passieren, dass mittags plötzlich eine Nahe-Rarität im Glas landet.

Ein großer Wein zum Lunch? Hier ist das Teil der Kultur.

Ab vom Schuss

Ein paar Straßen weiter, ebenfalls in Bad Sobernheim, liegt ein Restaurant, das mir nie jemand ausdrücklich empfohlen hat. Und doch fiel sein Name immer wieder. Beiläufig, in Nebensätzen, am Rande von Gesprächen über ganz andere Dinge.

Die Kupferkanne.

Vielleicht wird sie so oft nur nebenbei erwähnt, weil sie auf den ersten Blick wenig hermacht. Sie liegt etwas abseits des Ortskerns, mitten in einem Wohngebiet. Keine Weinberge vor dem Fenster, kein Fachwerk, keine Terrasse über dem Fluss. Wer ein Postkartenmotiv sucht, wird anderswo fündig.

Man fährt wegen des Essens hin. Und wegen der Menschen.

Denn was auf den Tisch kommt und wie man hier umsorgt wird, ist schlicht gigantisch. Wer einmal da war, vergisst die Umgebung schnell und möchte die Kupferkanne am liebsten nur noch guten Freunden empfehlen.

Ich mache hier eine Ausnahme.

Doreen und Patrick Wahl führen ihr Haus mit wohltuender, aufrichtiger Bodenständigkeit. Im Frühjahr stehen Spargel und Bärlauch auf der Karte, im Sommer Schnitzel vom SooNahe-Schwein oder Dorade Royale mit Beurre blanc, in der kühlen Jahreszeit Wild, Lamm und Fisch. Auch vegetarisch wird es fein, etwa mit hausgemachten Gnocchi und wildem Brokkoli.

Bemerkenswert ist die Konsequenz beim Wein. In der Kupferkanne kommt er ausschließlich von der Nahe. Bekannte Namen wie Jakob Schneider oder Sinß stehen neben Weingütern aus der direkten Nachbarschaft, etwa Laura Weber, Schauß oder Emmerich-Koebernik. Schon die offenen Weine laden dazu ein, sich durch die Landschaft zu probieren.

Eine Weinkarte als Landkarte. So etwas mag ich sehr.

Wo die Winzer selbst kochen

Nicht jeder gute Abend braucht weiße Tischdecken. Manchmal sind es gerade die Gutsausschänke und Weinstuben, in denen man der Nahe am nächsten kommt.

In der Weinstube des Weinguts Kruger-Rumpf in Münster-Sarmsheim sitzt man zwischen Jugendstil und Bauhaus, im Sommer im üppigen Garten, im Winter am Kaminofen. Die zarte Lammschulter stammt oft von den gutseigenen Schafen, die in den Weinbergen grasen. Sonntags gibt es ein wechselndes Menü. Reservieren sollte man unbedingt.

In Feldmanns Weinstube in Winzenheim gibt es Bratkartoffeln, für die man wiederkommen möchte. Die Kartoffeln kommen von einem Bauern, den man kennt, werden geschält, gekocht und in der Pfanne gebraten, bis sie außen knuspern und innen weich bleiben. Dazu Sülze vom Metzger um die Ecke. Man sitzt eng, wird vielleicht an einen Tisch dazugesetzt und ist schneller im Gespräch, als man gedacht hätte.

Beim Weingut Gattung in Ebernburg hängt ein Schild an der Wand: „Hier kochen die Omas“. Handkäs mit Musik, Spundekäs, Bratenbrot, Kartoffelpuffer mit Apfelmus. Den Rotenfels im Blick und, an der Nahe fast einmalig, auch montagabends geöffnet. Nur ein paar Schritte weiter wartet das Remis’chen im Weinhaus Schlich mit seinem romantischen Innenhof.

Ganz im Westen, im stillen Auener Tal, kocht Anita Hees im Landgasthof Zum Jäger aus Kurpfalz, ohne Schnickschnack, aber mit Erfahrung und Geschmack. Wein, Küche und Bett unter einem Dach: Das ist an der Nahe selten geworden. Und oberhalb von Monzingen steht Christel im Schmidtburger Hof in Weiler in der Küche. Wer den Schmidtburger probiert hat, versteht, warum man dort unbedingt reservieren sollte.

Was ein gutes Restaurant ausmacht

Wenn ich auf all diese Abende und Mittage zurückblicke, dann sind es selten die einzelnen Gerichte, die mir zuerst einfallen.

Es ist das Zusammenspiel.

Ein Teller, der nicht lauter sein will als der Wein. Ein Wein, der dem Essen Raum lässt. Gastgeber, die wissen, was in den Kellern ihrer Nachbarn liegt. Und eine Weinkarte, die nicht in die Ferne schweift, sondern erzählt, wo man gerade ist.

Vielleicht ist es mit guten Restaurants ein wenig wie mit den Weinen der Nahe. Die schönsten müssen nicht laut um Aufmerksamkeit werben. Sie liegen manchmal in einem Wohngebiet, in einem Dorf am Glan oder am Ende einer kleinen Wanderung.

Man muss nur wissen, wen man fragt.

Frag den Winzer.

Er kennt die Antwort. Und meistens schenkt er sie einem noch dazu.


Buchcover: Weinorte an der Nahe von Andreas Werner, Droste Verlag

Weinorte an der Nahe

76 Weinorte, viele Winzer und noch mehr Geschichten: In meinem neuen Buch nehme ich Sie mit an die Nahe, zu leisen Weinen, guten Gastgebern und Orten, an denen man gerne bleibt. Alle Restaurants aus diesem Beitrag finden Sie dort mit Adresse und Tipp. Erschienen im Droste Verlag.