Für mich beginnt eine Wanderung bei zehn Kilometern. Alles darunter ist, wie soll ich sagen, ein Spaziergang. Vielleicht ein langer, vielleicht ein anstrengender, aber eben ein Spaziergang. In den Alpen mag so eine Strecke ganz sicher Sport sein, und man kann darüber streiten, ob man sie nicht doch Wanderung nennen darf. In meinen Wanderbüchern bei Droste starten die Touren bei sechs Kilometern und reichen bis 16. Meine persönliche Wohlfühlzone liegt aber woanders: bei 20 bis 25 Kilometern. Erst dann schaltet der Kopf wirklich ab, die Gedanken werden leise, und einem weht die Natur um die Nase.
Deshalb war meine Lieblingstour der vergangenen Jahre die Etappe 3 der Venn-Trilogie, von Eupen hinauf ins Hohe Venn. 24 Kilometer, 600 Höhenmeter, ein Weg, der sich Stück für Stück öffnet. Oben wartet dann die Belohnung: drei, vier Gasthäuser zur Auswahl, Baraque Michel, Botrange, die Peak Brauerei. Irgendwo hat immer etwas offen, und stündlich fährt ein Bus zurück nach Eupen. Perfekt.
Dann kam der August 2026, und das Venn brannte. Etappe 3 war gesperrt, und mit ihr verschwand meine Lieblingsrunde. Ich gebe zu: Das hat wehgetan.
Plan B mit Anspruch
Was also tun? Auf Höhenmeter wollte ich nicht verzichten, ein paar Kilometer mehr durften es gern sein, und auf eine ordentliche Gastronomie am Weg schon gar nicht. Die Etappen 4 und 5 kenne ich bereits. Aus der 5 lässt sich eine Runde bauen, und die 4 bin ich schon einmal von Malmedy aus hinaufgestiegen und in abgewandelter Form zurückgegangen.
Dann, beim Blick auf die Übersichtskarte, kam die zündende Idee: Warum nicht die Etappe 4 hinauf ins Venn gehen, bis zur Peak Brauerei, dort in Ruhe Pause machen, anschließend durch das Bayehon-Tal hinab zur Warche wandern, weiter zur Burg Reinhardstein, über die Staumauer des Lac de Robertville und dann grob auf der Etappe 5 zurück nach Malmedy?
Und was für eine Runde das wurde! Gleich zu Beginn das wunderschöne Trôs-Marets-Tal, dann ein Stück Venn und schließlich ein bezauberndes Tal hinauf zur Peak Brauerei.
Oben angekommen, ist die Pause Pflicht. Nach so vielen Höhenmetern schmeckt das Bier an der Peak Brauerei gleich doppelt gut.
Gestärkt geht es durch das Bayehon-Tal bergab, vorbei am Wasserfall des Bayehon, der mich jedes Mal aufs Neue begeistert.
Auf dem Weg zum Reinhardstein gibt es an der Bayehon-Mühle Waffeln, die ich nach so vielen Kilometern doppelt genieße. An der Burg selbst warten Bier und eine Kleinigkeit zu essen (allerdings nur an Wochenenden und in den Ferien). Und falls für den Rückweg noch etwas fehlt: Das Lokal am Staudamm hat oft geöffnet.
So wird aus einer langen Tour eine Kette kleiner Belohnungen. Auf dem Gipfelweg zurück hoch über dem Warchetal öffnen sich dann immer wieder weite Ausblicke, die den müden Beinen noch einmal Flügel verleihen. 28 Kilometer bin ich insgesamt gegangen, hatte einen riesigen Spaß und war am Ende angenehm erschöpft, auf diese gute, zufriedene Art.
Praktische Tipps
Geparkt habe ich am Camping du Moulin in Bévercé. Das Restaurant dort ist übrigens ausgesprochen nett und eignet sich hervorragend für ein Abschlussessen. So muss man am Ende einer durchaus anspruchsvollen Wanderung auch nicht mehr zur Ferme Libert hinaufsteigen, die ich als Ausgangspunkt für eine Tour aus meinem Ardennen-Wanderbuch gewählt hatte.
Schwindelfrei muss man für diese Runde nicht sein. Hinauf zur Peak Brauerei kann man der Markierung der Venn-Trilogie folgen, das spart schon einmal Akku für die Navigation. Den Weg hinunter zum Bayehon findet man danach problemlos wieder, und von dort geht es einfach bergab zur Warche.
Eine Warnung gibt es allerdings: Das Tal des Bayehon hinauf zur Peak kann nach längerem Regen richtig matschig werden. Stöcke sind dann Gold wert, denn mit ihnen lässt sich testen, ob eine Stelle als Tritt taugt oder ob man gleich bis zu den Waden im Morast versinkt. Nach längeren Regenphasen brauche ich von der Ferme Libert zur Peak 15 bis 30 Minuten länger als auf trockenem Untergrund.
Und nicht nur im Sommer gilt: genug Flüssigkeit mitnehmen! Für den Aufstieg am Anfang sollte man 3½ bis 4 Stunden einplanen, und ohne zwischendurch zu trinken geht das nicht.
Die Tour im Detail findest du hier bei Komoot.
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